Immer das positive aus einer Situation herausziehen – ist sie auch noch so negativ. Eine bewundernswerte Eigenschaft, die das Leben leichter macht und die man trainieren kann. Markus Süße, Mentaltrainer aus dem oberfränkischen Lautertal, erklärt, wie das funktioniert und wie ihm seine mentale Stärke im Beruf, beim Sport und im Familienleben hilft.
Markus Süße. Foto: privat

Die Trennung von seinem Partner, Stress auf der Arbeit oder eine Krankheit, die das Leben auf den Kopf stellt – es gibt im Leben wohl immer Situationen, in denen man Angst hat und nicht weiß, wie es weitergehen soll. Ein Teufelskreis aus Wut, Angst und negativen Gedanken. Da wieder rauszukommen, ist oft schwer. Mentaltrainer Markus Süße aus dem oberfränkischen Lautertal hat in seinem Leben schon viele Tiefen erlebt. Mit der Zeit hat er einen wirklich bewundernswerten Umgang damit gefunden:  „Ich nehme diese Situationen an und verarbeite sie mit einem positiven Blick. Es ist nicht immer einfach, doch der liebe Gott stellt mir gerade eine Aufgabe, weil er mich entwickeln will. Manchmal versteht man dies nicht zu diesem Zeitpunkt, denn die Auflösung kommt erst später.“

Der 52-Jährige, der als Vertriebs- und Fachmann-Trainer die Mitarbeiter eines Versicherungsunternehmens schult, glaubt nicht an Zufall. Für ihn ist das Leben Schicksal – so war es auch  Schicksal, dass ihn bei seinem ersten langen Lauf vor 14 Jahren das Leben zum Mentaltraining geführt hat. „Ich konnte diesen Lauf nicht finishen, weil ich im Kopf nicht stark genug war. Meine negativen Gedanken haben meinen Körper im Vorfeld schon erobert und so bin ich zwar an den Start gegangen, doch alles, was nicht lief, hat diese Gedanken bestätigt und ich bin ausgestiegen.“ Noch Monate nach dem Lauf ärgerte sich der Sportler darüber. Bei einem Kollegen, der sich dem Thema schon länger widmete, hatte Markus dann sein erstes Mentaltraining, dem mit den Jahren weitere folgten. „Und ich darf sagen, es funktioniert.“ Doch was ist Mentaltraining überhaupt? Damit wird eine Vielfalt von psychologischen Methoden bezeichnet, welche die soziale und emotionale Kompetenz sowie die Belastbarkeit, das Selbstbewusstsein und die mentale Stärke steigern sollen. Durch gezielte und wiederholte Reize auf mentaler Ebene werden das Erreichen von Trainingseffekten und eine verbesserte Selbstwirksamkeit auf körperlicher, emotionaler und geistiger Ebene angestrebt. Für Markus ist Mentaltraining der Schlüssel zum Glück.

Mental viel stärker als zuvor

Ein paar Jahre nach dem Lauf, den er abbrechen musste, ist der Extremsportler dort noch einmal angetreten: Körperlich in der gleichen, guten Verfassung, mental jedoch viel stärker als zuvor. Trotz offener Füße und schwelender Hitze schaffte es Markus ins Ziel. „Aus eigener Erfahrung und meinem Sport kann ich zweifelsfrei sagen, dein Körper kann mehr als du denkst – wenn der Kopf will.“ Auch im Alltag rettet ihn seine mentale Stärke täglich. „Es gibt Momente, da werde auch ich unruhig, laut oder bin total am wüten, weil etwas nicht funktioniert“, erzählt der 52-Jährige. Hier könne er durch das Training seiner Bewusstseins-Ebenen – Bewusstsein, Unterbewusstsein, Überbewusstsein – selbst entscheiden, ob er sich nun aufregen oder das Problem lieber in Ruhe lösen will. „Manchmal ist es dann doch auch mal gut, dem Frust seinen Lauf zu lassen. Ich bin ja auch nur ein Mensch“, sagt Markus und schmunzelt.

Auch im Familienleben oder im Beruf gibt es gewisse Techniken, bei denen sich viele positive Eigenschaften hervorheben lassen. Zum Beispiel eine sogenannte Tagesvorschau – egal ob im Beruf, beim Sport oder mit der Familie. „Ich erstelle einen Plan für die kommenden Tage, was jeder vorhat, was passiert und was erledigt werden muss. Hierdurch nehme ich im Vorfeld Unstimmigkeiten weg, spare mir am kommenden Tag viel Zeit mit Diskussionen, Vorwürfen und Ärger. Mit so kleinen Übungen kann ich mir einen Teil des Lebens einfacher machen und ihn mehr genießen“, erzählt Markus.

Planung ist das A und O

Markus Süße beim Laufen. Foto: privat

Er selbst setzt sich beispielsweise jeden Freitag gemeinsam mit seiner Frau an einen Tisch und spricht mit ihr die Planung für das Wochenende durch. „Früher haben wir uns am Wochenende öfters gestritten, weil ich trainieren und sie mit mir in ein Café gehen wollte. Jetzt sprechen wir das durch und machen uns einen Plan. Wir streiten dadurch viel weniger“, erzählt Markus. Die familiäre Situation kann also durch gewisse Techniken des Mentaltrainings zum Positiven beeinflusst werden. „Die Akzeptanz, das Vertrauen, das Miteinander, die Liebe – das alles wächst. Man kann auch mal streiten und geht nicht im Bösen auseinander.“ Auch beruflich gibt es Situationen, die man nicht will oder sich nicht wünscht. Doch wenn auch hier das eigene Bewusstsein stark ist, kann man laut Markus viel wirtschaftlicher denken und handeln. „Dadurch bin ich in jeder Situation, ist sie auch noch so angespannt, viel handlungsfähiger.“

Doch das Training des Bewusstseins werde noch immer total unterschätzt – und das obwohl eigentlich jeder Mentaltraining betreibt – wenn auch nur unbewusst. „Der Profisportler macht es, wenn er mit seinem Training durch Höhen und Tiefen geht. Ein Obdachloser macht es auch,  denn er muss an sich und seine Situation glauben und Kinder leben es im Geiste und stellen sich hier schon ihre Wünsche vor. Wenn sie fest daran glauben, erfüllen sich diese auch.“ Markus ist sich sicher, dass wenn man an etwas fest glaubt, so wird es eintreten – egal ob positiv oder negativ.

Ich kann nur mich verändern

Doch ganz wichtig: „Wenn ich trainiere und mich diesem Thema widme, kann ich nur mich trainieren! Ich kann nur mich verändern, andere kann ich mit ihrem Wesen und ihrer Art nur akzeptieren. Dann muss ich entscheiden, ob er zu mir und meinem Umfeld passt. Über mein Schicksal kann übrigens auch nur ich entscheiden, ich muss es ertragen und ich alleine kann es ändern.“

Wenn man sich verändern will, seine alten Muster ablegen möchte, dann muss man daran arbeiten. Auch Markus muss täglich trainieren und sich bewusst, wie unterbewusst steuern. „Doch ich erlebe es täglich, wenn ich die Kräfte des Menschen nutze, dass es mir sofort, wie auch langfristig besser geht. Auch mein Umfeld, meine Familie, meine Freunde werden dadurch bereichert. Es ist einfach ein ausgeglicheneres Leben.“