Mit 14 Jahren verlässt Lisa Breckner Oberfranken, um in Österreich als Skifahrerin Karriere zu machen. Über Umwege landet sie einige Jahre später wieder in ihrer Heimatstadt Schwarzenbach. Dort ist sie heute Geschäftsführerin eines Textil-Unternehmens. Mit gerade einmal 27 Jahren.

Dass Lisa Breckner heute an einem großen Holzschreibtisch im oberfränkischen Schwarzenbach sitzt, verwundert nicht wirklich, wenn man 25 Jahre zurückblickt. Zu dieser Zeit bedruckt Breckners Mutter in diesem Räumen Baumwolltaschen für verschiedene Kunden. Und die zweijährige Lisa wuselt ständig zwischen Mamas Beinen herum. „Ich habe es sozusagen von unterhalb des Schreibtisches auf den Bürostuhl geschafft“, lacht Breckner.

Dass die blondgelockte Frau mit gerade einmal 27 Jahren heute die Chefin eines Textilunternehmens ist, überrascht dann schon mehr. Denn ursprünglich hat die Oberfränkin eine ganz andere Karriere im Blick. Als Kind jagt sie im Winter die Skihänge im Fichtelgebirge hinab –  schneller und furchtloser, als die meisten Mädels in ihrem Alter. Die Auswahltrainer in Bayern werden auf die talentierte Athletin aufmerksam. Breckner darf sich auf Sichtungslehrgängen und Rennen beweisen.

Mit 14 geht’s auf ein Sportinternat nach Österreich

Spätestens mit 14 Jahren wird ihr bewusst: Ambitioniertes Skifahren und Schule vertragen sich nicht, der Spaß am Sport ist größer als die Lust auf Unterricht. „Ich hatte nur Skifahren im Kopf.“ Breckner wechselt auf ein Skiinternat im österreichischen Innsbruck – eine „Erleuchtung“, wie sie sagt. „Meine Mitschüler fanden es plötzlich nicht mehr komisch, was man da den ganzen Tag so macht.“

Noch immer sportlich: Die ehemalige Profi-Skifahrerin Lisa Breckner (Foto: Matthias Hoch)
Noch immer sportlich: Die ehemalige Profi-Skifahrerin Lisa Breckner (Foto: Matthias Hoch)

Auch das Lernen fällt ihr wieder leichter. Allerdings merkt sie auch, dass es Konkurrentinnen  gibt, die auf den Brettern immer ein Tick schneller unterwegs sind. Mit 16 Jahren schafft sie es nicht in den Elitekader, der vom Verband gefördert wird. Ihre Mutter reist deshalb häufig aus Oberfranken an, um die Tochter zu Rennen zu begleiten.

Lisa Breckner kämpft für ihren Traum, steckt sogar eine längere Pause wegen einer Viruserkrankung weg. Irgendwann muss sich die junge Sportlerin aber eingestehen, dass es nicht reicht für die Profikarriere. Der Oberfränkin gelingt der Absprung und ihr wird bewusst: Skifahren ist nicht alles. Breckner zieht in Innsbruck in eine Wohngemeinschaft und studiert Wirtschaftswissenschaften.

Den Skisport betreibt sie weiter mit Leidenschaft, auch weil sie es von ihrer Haustür aus nur 400 Meter bis zur Seilbahn hat. Rennen fährt sie aber nicht mehr, Breckner will das Schicksal nicht herauszufordern. „Ich habe immer noch alle Kreuzbänder – nicht schlecht für eine Skifahrerin.“

Lisa Breckner zieht es zurück in die Heimat

Als sich das Studium dem Ende neigt, stellt sich für Breckner die Frage: Was nun? „Innsbruck ist eine tolle Stadt. Trotzdem habe ich mich nie richtig heimisch gefühlt. In Tirol findet man nicht so schnell Anschluss.“ Die Schwarzenbacherin sucht nach neuen Zielen. In dieser Zeit ist sie auch immer häufiger in der Heimat, hilft ihrer Mutter im Geschäft. Und dann geht alles ganz schnell: Ende 2015 überschreibt die Mama ihrer Tochter die Firma.

Beide führen das Unternehmen heute als gleichberechtigte Partner. „Das hat sich so ergeben. Ich kann gar nicht genau sagen, warum.“ Breckner bereut den Schritt zurück in beschauliche Heimat aber nicht. „Ich bin hier aufgewachsen, fühle mich in der Region wohl. Immer wenn ich zu Besuch gekommen bin habe ich gedacht: Irgendwie cool hier. So angenehm ruhig.“

Mit der Ruhe ist das allerdings so eine Sache. Schon lange werden in der Industriestraße in Schwarzenbach nicht mehr nur Baumwolltaschen produziert, Mutter und Tochter bedrucken viele unterschiedliche Artikel für Firmen, Messen oder Events. Hinzu gekommen ist der modische, exklusive Siebdruck auf Decken oder Kissen, teilweise mit Glitz- und Goldeffekten. Die Produkte können sich die Kunden individuell gestalten und werden in Handarbeit gefertigt. „Es ist schön, dass diese Form der traditionellen Handwerkskunst von den Kunden angenommen wird.“

Ihr Motto: Einfach machen!

Darüber hinaus vertreibt Breckner T-Shirts mit frechen Sprüchen und echtem Heimatbezug. Beispielsweise haben die „Fichtlshirts“ in der Region schon Kultstatus erlangt. Unter anderem ziert ein Shirt das Panorama des Fichtelgebirges, kombiniert mit einem Spruch, der eigentlich perfekt zur Lebenseinstellung von Lisa Breckner passt: „Einfach machen“.

Die Zusammenarbeit von Mutter und Tochter funktioniert „erstaunlich gut“. Beide ergänzen sich, nicht umsonst beschreiben sie sich im Firmenportrait als „Impulsgeber“ (Mutter) und „Impulskoordinator“ (Tochter). Nur ab und zu muss sich die neue Chefin, die wie ihre Mutter auf dem Firmengelände wohnt, durchsetzen. „Wenn Mama sagt, ‚Ich rate dir, mein Kind‘, weiß ich, dass sie die Idee nicht so gut findet. Aber ich habe sie schon oft überzeugt.“

Auch die Kunden haben schnell gelernt, dass man die zierliche Blondine als Geschäftsfrau durchaus ernst nehmen sollte. „Klar werde ich auf den typischen Häppchen-Events manchmal gefragt, wie alt ich eigentlich bin. Aber ich arbeite an mehr Falten“, lacht Breckner.

Die Leidenschaft für den Sport ist geblieben

Dem Sport hat die junge Unternehmerin bis heute nicht den Rücken gekehrt. Als Markenbotschafterin vertritt sie eine große Fahrradmarke, ist bis vor zwei Jahren noch Radrennen gefahren. Zudem trainiert sie den oberfränkischen Skinachwuchs im Skigebiet Mehlmeisel. Und auch selbst ist das Energiebündel weiterhin aktiv. Muss sie auch. „Ich brauche das als Ausgleich. Ein paar Tage ohne Sport und ich laufe unrund.“ In jeder freien Minute schwingt sie sich aufs Rad (Sommer) oder die Skier (Winter). „Ich fahre jetzt mehr zu Spaß. Das aber viel und gerne.“ Wenn sie darüber hinaus noch ein paar Minuten übrig hat, fährt sie mit Freund und VW-Bus in die Natur und lässt die Seele baumeln. Übernachtet wird dort, wo es gerade gefällt. „Das ist wie Kurzurlaub.“

Das Textilunternehmen will Lisa Breckner noch länger führen, auch wenn besonders dem ostoberfränkischen Raum nachgesagt wird, dass man es hier als Unternehmer besonders schwer hat. „Ob man sich beruflich verwirklicht, hat nichts mit der Region zu tun“, findet Breckner. Wer kreativ ist und dafür arbeitet, könne es schaffen.

Zudem würde die Region auch viel bieten, was man nicht an jeder Ecke findet: Natur, geringe Lebenshaltungskosten – das würden auch immer mehr junge Oberfranken zu schätzen wissen. Die drei Nachbarskinder von gegenüber seien beispielsweise auch in die elterliche Firma zurückgekehrt. „Die Lebensqualität ist top. Es lohnt sich, hier zu leben.“