Der 20. Mai 1873 ist die Geburtsstunde der Jeans: Damals meldeten Jacob Davis und Levi Strauss das Patent auf die nietenverstärkte Hose an. Eine robuste Arbeiterkleidung für die Jagd nach Gold. Die Jeans machte Levi Strauss reich – doch er vergaß nicht seine Wurzeln im oberfränkischen Buttenheim.

Levi Strauss kommt aus Oberfranken

Natürlich öffnet sie in Jeans die Tür: Tanja Roppelt, die Leiterin des Levi-Strauss-Museums in Buttenheim im Landkreis Bamberg. Ist das hier vorgeschriebene Berufskleidung? „Nein“, sagt sie lachend und fügt hinzu: „Aber ich habe das Glück, auf der Arbeit Jeans tragen zu dürfen.“ Nur das Original, versteht sich. Der Kleiderschrank daheim ist voll mit Jeansjacken und Jeanshosen. „Wenn in unserem Shop die neue Lieferung kommt, schleichen wir schon immer alle drum rum.“ In der Tat fällt es auch den beiden Landmadla-Redakteurinnen schwer, an den Regalen vorbei zu gehen – die eins zu eins wie die Levis-Abteilung im Einzelhandel aussehen. Ja, auch die Museumsbesucher greifen hier gern mal zu, verrät die Leiterin.

Das Anwesen in der Marktstraße 33 ist nicht irgendeines, sondern das Geburtshaus von Levi Strauss, mit grauem Fachwerk und blauen Fensterläden. Was heute wie ein Liebhaberhäuschen anmutet, war damals das Heim der neunköpfigen Familie Strauss – die in drei Zimmern im Erdgeschoss lebte. Sie war Teil der großen jüdischen Gemeinde, die im 19. Jahrhundert in Buttenheim existierte – 1820 war jeder fünfte Einwohner Jude.

Trotzdem erlebten diese schon damals Diskriminierung, durften kein Land erwerben oder nicht in Zünfte eintreten. Deswegen schuftete Vater Hirsch Strauss als Hausierer, verkaufte Tuch und Kurzwaren an der Tür. Als er 1846 an Tuberkulose starb, stürzte die Familie in große finanzielle Not. Mutter Rebecca rang sich dazu durch, mit den Kindern nach Amerika auszuwandern. Zu diesem Schritt hatten sich die zwei ältesten Söhne bereits ein paar Jahre früher entschlossen einen Textilgroßhandel in New York gegründet.

Der Beginn der Karriere von Levi Strauss

In diesen stieg der jüngste Sohn, Levi, geboren am 26. Februar 1829, mit ein – bis 1849 die ersten Nachrichten von Goldfunden in Kalifornien durchdrangen. 1853, als er die amerikanische Staatsbürgerschaft erlangte, eröffnete Levi Strauss in San Francisco ein Großhandelshaus. „Hier wurde alles gehandelt, was die Pioniere brauchten, von der Zahnbürste über Hosenträger bis hin zur Ausgehkleidung“, erläutert Tanja Roppelt.

1872 meldete sich plötzlich Jacob Davis, ein ebenfalls aus Europa eingewanderter Schneider. „Der Legende nach hatten sich bei ihm Arbeiter beschwert, dass die Hosen an besonders strapazierten Stellen einreißen. Er kam auf die Idee, die Nieten von Pferdedecken zur Verstärkung an die Hosen anzubringen“, erklärt die Museumsleiterin. „Das war eine bahnbrechende Erfindung.“ Auf der Suche nach einem Geschäftspartner war Davis auf Strauss gestoßen, mit dem er am 20. Mai 1873 ein Patent auf die Jeans anmeldete.

So heißen die robusten Hosen übrigens erst seit den 1960er Jahren, vorher bestellte man einen „Overall“. Meist den Klassiker mit der „magischen“ Zahl 501. Die bezeichnet nicht nur den geraden Schnitt, sondern war ursprünglich schlicht eine Bestellnummer.

Levi Strauss hatte mit der Großproduktion der Goldgräberhose seine eigene Goldader gefunden. Seine Herkunft vergaß er jedoch nie: Nicht nur die Familienmitglieder bekamen etwas vom Wohlstand ab. In seinem Testament bedachte er vor allem Kinder aus ärmlichen Verhältnissen. Bis heute gibt es in San Francisco außerdem 28 Stipendien, die auf ihn zurückgehen. Die Hälfte der Stipendien war schon damals für Frauen reserviert.

Erst in Amerika nannte er sich Levi

Löb Strauss, der sich erst nach seiner Amerikanisierung „Levi“ nannte, starb im Jahre 1902 im Alter von 73 Jahren. Eine Frau oder Kinder hinterließ er nicht. Doch dafür einen großen Namen, der bis heute für die Markenjeans „Levi’s“ steht. Die kam übrigens erst nach dem zweiten Weltkrieg zurück nach Deutschland, im Gepäck der amerikanischen Soldaten. Die ersten Jeans für Frauen wurden ab den 1930er Jahren in den USA produziert.

Doch was war eigentlich damals mit den Goldgräber-Frauen? „Viele blieben zurück, als ihre Männer auf die Goldfelder loszogen. Für die Frauen bedeutete das einerseits ein Stück mehr Freiheit und Selbstständigkeit, andererseits eine Menge Verantwortung“, erzählt Tanja Roppelt. Schließlich galt es die Kinder durchzubringen und „den Laden daheim zu schmeißen“.

Einige Frauen brachen sogar selbst auf in den Wilden Westen, das Verhältnis männlich – weiblich in der Goldgräberstadt San Francisco soll acht zu eins gewesen sein. „Die Frauen pflegten einen unkonventionellen Lebensstil“, sagt Roppelt. Sie hätten sich als Näherinnen, Wäscherinnen, aber auch Tänzerinnen oder Prostituierte durchgeschlagen. Ob manche von ihnen auch mal ihr Glück als Goldgräberin versucht hat und heimlich in eine Männerjeans geschlüpft ist?

Heute jedenfalls ist diese Hose bei beiden Geschlechtern und zu etlichen Anlässen salonfähig – und das Produkt von Levi’s wohl einer der meist gefälschten Markenartikel, deutet die Museumsleiterin an. Im Shop jedenfalls gibt’s nur das Original. Von einem Buttenheimer, der auszog, um sich mit einer Hose eine goldene Nase zu verdienen.

 

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