Christine Neder aus Schweinfurt lebt ein Leben, von dem viele träumen. Sie ist ständig unterwegs, hat die schönsten Orte der Welt mit eigenen Augen gesehen und mit Anfang 30 bereits zwei Bücher geschrieben. Doch zwei Daheimgebliebene holen die Reisende immer wieder für kurze Zeit zurück.

In 14 Städte in 14 Tagen – einmal quer durch Franken. So lautet die Aufgabe, die Christine Neder – im Internet besser bekannt als „Lilies Diary“ – gestellt wurde. Der Tourismusverband Franken hat die Bloggerin aus Schweinfurt damit beauftragt, „die fränkischen Städte“, also 14 Städte in ganz Franken, zu bereisen und aus persönlicher Sicht darüber zu schreiben. Als Fränkin, die schon die ganze Welt gesehen hat, die als Couchsurferin für ihr Buch „90 Nächte, 90 Betten“ in 90 verschiedenen Berliner Betten geschlafen hat, soll sie also zwei Wochen lang in Franken Urlaub machen? Ist das nicht bisschen langweilig?

Von wegen! Denn Christine hat bei ihren Reisen in ferne Länder etwas über sich gelernt: Eigentlich kennt sie ihre Heimat kaum. Wenn sie unterwegs erzählen soll, woher sie kommt, ist sie schnell am Ende mit ihrem Latein – beziehungsweise mit ihrem Fränkisch. Klar, Nürnberg, Bamberg, Würzburg kennt sie. Auch über Rothenburg o. d. Tauber kann sie etwas sagen. Und über das Bier und den Wein. Dann wird es dünn.

Doch woran liegt das: Gibt es nichts zu erzählen oder weiß es Christine nur noch nicht besser?

Wir erwischen Christine am Telefon. Sie ist gerade bei ihren Eltern in Schweinfurt und passt auf den Hund auf. Denn ihre Eltern sind im mittelfränkischen Dinkelsbühl. Eine der Städte, die Christine als Lilie in den 14 Tagen besucht hat und bei der sie ins Schwärmen gerät. Nun hat sie ihre Eltern dorthin geschickt. „Es ist wunderschön dort, und die spätmittelalterliche Altstadt ist nahezu unversehrt geblieben“, sagt Christine. Dinkelsbühl hat es ihr angetan. Auf ihrem Blog „Lilies Diary“ nennt sie die bunte Stadt ihren „Geheimtipp in Franken“.

Vor allem aber ist die 31-Jährige überrascht, wie viel man in Franken unternehmen kann. Sei es eine Gondelfahrt auf der Regnitz in Bamberg, eine Bootstour durch die verwinkelten Wasserstraßen von Dinkelsbühl oder eine Spaziergang durch den Botanischen Garten in Bayreuth. Und noch etwas ist ihr aufgefallen. Zwar haben fast alle Städte drei Gemeinsamkeiten – Bier, Wein und Fachwerk –, trotzdem aber hat jede Stadt ihre kleinen Eigenheiten. Mal sind es die hübschen Gässchen, mal das reichhaltige kulturelle Angebot. Aber auch die Bewohner sind unterschiedlich, sagt Christine. Die eine fränkische Mentalität gebe es nämlich doch nicht. Nicht alle Franken sind „grummelig“ wie es Christine nennt. In den kleinen Städten sind manche vielleicht etwas skeptisch, verhalten. Doch hat man ihr Herz gewonnen, kann nichts mehr schiefgehen. In den großen Städten gibt es nach Christines Erfahrung diese Skepsis nicht. Dort sind die Leute gleich aufgeschlossen, wenn eine Bloggerin ins Café oder Geschäft kommt und Fotos für ihren Blog machen will, erzählt sie.

Nach dieser vollen Franken-Dröhnung ist für die Weltenbummlerin klar: Ihre Heimat hat viel zu bieten und ist immer eine Reise wert. Doch trotzdem zieht es sie zurück in die Welt und in ihre Wohnung nach Berlin. Denn nach ihrem Selbstversuch in Berlin, bei dem sie für ihr Buch „90 Nächte, 90 Betten“ jede Nacht bei einem anderen Fremden in der Hauptstadt untergekommen war, hatte sie sich in die Großstadt verliebt. Doch Christine liebt noch mehr. Ihren Hund und – so ganz kann sie sich dem Fränkischen eben doch nicht entziehen – einen Franken. Beide, Hund und Freund, begleiten sie auf manchen Reisen. Doch viele Orte erkundet Christine auch alleine. Lange getrennt von ihren beiden Daheimgebliebenen ist sie aber trotzdem nicht. Meistens bleibt Christine nicht länger als acht Tage an einem Ort. Rund die Hälfte des Jahres ist die 31-Jährige auf Achse. Und nach eigener Aussage plant sie ihr Leben nicht. Aber, das gibt sie gerne zu, in Zukunft will sie ein bisschen weniger unterwegs sein. Denn eigentlich will auch sie mal wieder ein bisschen daheim sein. ❤